Die Auswahl einer Kreiselpumpe beginnt nicht bei einem Katalog, sondern bei der Anwendung. Förderstrom, Förderhöhe, das zu fördernde Medium und die Installationsbedingungen bestimmen gemeinsam, welcher Pumpentyp, welche Materialien und welche Konfiguration am besten geeignet sind. In diesem Artikel gehen wir die wichtigsten Auswahlkriterien Schritt für Schritt durch, damit Sie zu einer fundierten Entscheidung kommen.
Kurübersicht: die 5 Auswahlschritte
- Erforderlichen Förderstrom und Förderhöhe bestimmen
- Das Medium analysieren (Flüssigkeit, Feststoffe, Temperatur)
- Den richtigen Laufrad- und Gehäusetyp wählen
- Die Zulaufbedingungen prüfen (NPSH)
- Die Installationskonfiguration und den Antrieb festlegen
Schritt 1: Förderstrom und Förderhöhe festlegen
Der Betriebspunkt einer Kreiselpumpe wird durch zwei Hauptparameter bestimmt: den Förderstrom (Q, in m³/h) und die Förderhöhe (H, in Meter Flüssigkeitsäule).
Der Förderstrom ist die Flüssigkeitsmenge, die pro Zeiteinheit gefördert werden muss. Er wird durch die Prozessanforderungen bestimmt: Wie viel Wasser muss pro Stunde gefördert werden?
Die Förderhöhe ist die gesamte Druckdifferenz, die die Pumpe überwinden muss, einschließlich der statischen Höhe (dem physischen Höhenunterschied), der Rohrleitungsverluste (Reibung in Leitungen, Fittings und Armaturen) und eines eventuellen Gegendrucks.
Der Betriebspunkt muss innerhalb des optimalen Arbeitsbereichs der Pumpenkennlinie liegen. Eine Pumpe, die dauerhaft außerhalb dieses Bereichs läuft, verliert an Wirkungsgrad und verschleißt schneller.
Praxistipp: Beginnen Sie mit einer Systemberechnung, bevor Sie eine Pumpengröße auswählen. Gorman-Rupp unterstützt bei der Systemanalyse und Pumpenauswahl.
Schritt 2: Das Medium analysieren
Das zu fördernde Medium bestimmt den Laufradtyp, die Materialwahl und mögliche zusätzliche Ausstattung.
Medientyp: Handelt es sich um Reinwasser, Prozesswasser, Abwasser oder ein chemisches Medium? Bei sauberen Flüssigkeiten genügt ein geschlossenes Standardlaufrad. Bei Abwasser mit Feststoffen ist ein Laufrad für verunreinigte Medien mit ausreichendem Feststoffdurchgang erforderlich. Für stark abrasive Flüssigkeiten kann eine Vortex-Pumpe die Lösung sein.
Feststoffe: Wie groß ist die maximale Partikelgröße und Konzentration? Dies bestimmt den minimalen Feststoffdurchgang der Pumpe. Bei der Gorman-Rupp Serie 6400 beträgt der Feststoffdurchgang bis zu 102 mm, geeignet für grobes Abwasser mit Feuchttüchern und organischem Material.
Temperatur: Standard-Kreiselpumpen sind für Temperaturen bis etwa 71 °C ausgelegt. Bei höheren Temperaturen sind angepasste Materialien und Dichtungen erforderlich.
Korrosion und Abrasion: Aggressive Flüssigkeiten erfordern Edelstahl oder spezielle Legierungen. Die Serie 6500 ist unter anderem in Duplex-Edelstahl erhältlich.
Schritt 3: Laufrad- und Gehäusetyp wählen
Auf Basis des Mediums und des Betriebspunkts wählen Sie den Laufradtyp:
- Für saubere oder leicht verschmutzte Flüssigkeiten bei hohen Drücken: ein geschlossenes Laufrad wie bei der Gorman-Rupp 0-Series
- Abwasser mit groben Feststoffen oder faserigen Verunreinigungen: offenes Laufrad (T-V-6400 Series)
- Abrasive Flüssigkeiten: Vortex-Laufrad (6400 Series V-Version)
- Hohe Drücke: mehrstufig mit doppelter Spirale (VS Series)
Schritt 4: Zulaufbedingungen prüfen (NPSH)
NPSH steht für Net Positive Suction Head und ist ein kritischer Parameter bei der Auswahl einer Kreiselpumpe. Ist der verfügbare Zulaufdruck zu niedrig, entsteht Kavitation: Dampfblasen in der Flüssigkeit, die implodieren und Laufrad sowie Pumpengehäuse beschädigen.
NPSH vorhanden (NPSHa) wird durch die Anlage bestimmt: Flüssigkeitsniveau, Rohrleitungsverluste auf der Saugseite, Dampfdruck der Flüssigkeit und atmosphärischer Druck.
NPSH erforderlich (NPSHr) ist eine Eigenschaft der Pumpe selbst: der minimale Zulaufdruck, der für kavitationsfreien Betrieb erforderlich ist.
Die Faustregel: NPSHa muss immer höher sein als NPSHr, vorzugsweise mit einer Sicherheitsmarge von mindestens 0,5 bis 1 Meter.
Pumpen mit niedrigen NPSH-Anforderungen, wie die VG Series mit dynamischen Positionierschaufeln, verringern das Kavitationsrisiko bei schwierigen Zulaufbedingungen.
Wenn die Saugleitung nicht mit Zulauf aufgestellt werden kann, ziehen Sie eine trocken aufgestellte selbstansaugende Pumpe anstelle einer Standard-Kreiselpumpe in Betracht. Gorman-Rupp liefert ebenfalls trocken aufgestellte selbstansaugende Pumpen.
Schritt 5: Installation und Antrieb festlegen
Der letzte Schritt betrifft die praktische Konfiguration:
Aufstellung: horizontal oder vertikal? Standard-Kreiselpumpen von Gorman-Rupp werden horizontal trocken aufgestellt, was die Wartung vereinfacht.
Antrieb: Elektromotor, Benzinmotor oder Dieselmotor? Die Wahl hängt von der verfügbaren Stromversorgung, dem Standort (stationär oder mobil) und den Betriebsstunden ab.
Materialien: Standard-Sphäroguss genügt für die meisten Anwendungen. Bei aggressiven Medien, abrasiven Flüssigkeiten oder hohen Anforderungen an die Korrosionsbeständigkeit sind Edelstahl, Duplex oder ADI (Austempered Ductile Iron) verfügbar.
Checkliste Pumpenauswahl
Nutzen Sie diese Checkliste bei der Anfrage einer Auswahlberatung:
- Erforderlicher Förderstrom (m³/h oder l/s)
- Erforderliche Förderhöhe (m)
- Medium: Flüssigkeitstyp und Zusammensetzung
- Maximale Partikelgröße der Feststoffe (mm)
- Temperatur des Mediums
- Zulaufbedingungen (Zulauf oder Saughöhe, NPSHa bekannt?)
- Gewünschte Aufstellung (trocken/getaucht, horizontal/vertikal)
- Antrieb (elektrisch, Diesel, hydraulisch)
- Besondere Anforderungen (Material, Zertifizierungen, ATEX)
Häufig gestellte Fragen
Mit den richtigen Anwendungsdaten (Förderstrom, Förderhöhe, Medium) können Sie eine vorläufige Auswahl treffen. Für eine endgültige Entscheidung empfiehlt es sich, die Systembedingungen gemeinsam mit einem Anwendungsingenieur durchzugehen, insbesondere bei komplexen Anlagen oder Medien mit Feststoffen.
Betrachten Sie nicht nur den Anschaffungspreis, sondern auch Energieverbrauch, Wartungsbedarf, Ersatzteile, erwartete Lebensdauer und Stillstandzeiten. Eine Pumpe mit etwas höheren Anschaffungskosten, aber geringerem Energieverbrauch und weniger Wartung, ist über den gesamten Lebenszyklus oft wirtschaftlicher.
Benötigen Sie Unterstützung bei der Auswahl? Teilen Sie Ihre Anwendungsdaten mit uns und wir beraten Sie zur richtigen Konfiguration. Kontaktieren Sie uns oder rufen Sie direkt unsere Anwendungsingenieure an.